Im Ansbacher Land 3

Rothenburg ob der Tauber, Sieberstor(links) und Koboltor (rechts)

Rothenburg ob der Tauber in Ansbach

Ansbach

Die Stadt (früher Onoldisbach, nach dem ersten Grundherrn Onold) entstand bei einem um 748 von dem Edelmann Gumbert gegründeten Benediktinerkloster zur Hl. Jungfrau Maria, das er mit seinen Gütern im Rangau ausstattete. Dieses Eigenkloster übergab er 786 an Karl den Großen, der es dem Bischof von Würzburg überantwortete. Der bestimmte für Stift und Gemeinde einen Obervogt. Im 12. Jh. sind das die Staufer. Nach ihrem Aussterben 1288 fällt die Vogtei über Stift und Stadt (seit 1221 bezeugt) an die Grafen von Öttingen, die ihren Besitz 1331 an den Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg verkaufen. Seit 1456 ist dann Ansbach die Residenz des Burggrafentums »unterhalb des Gebürgs«, des späteren Fürstentums Brandenburg-Ansbach.

Inmitten der Stadt, am Unteren Markt, liegt die ehemalige Stiftskirche (ev.-luth. Stadtpfarrkirche) St. Gumbert, von deren 1165 geweihten >Neubau< nur wenige Pfeilerarkaden an der Nordseite und die Krypta unter dem Hochaltar erhalten blieben. Die dreischiffige, kreuzgratgewölbte Krypta, 1039-42 von Steinmetzen der Speyerer Dombauhütte gebaut, wurde nach Bränden mit Schutt aufgefüllt, 1934 aber wieder freigelegt. Die sieben romanischen Arkaden im jetzigen nördlichen Seitenschiff wurden zur St. Georgskapelle zugemauert. Diese Kapelle hatte Markgraf Albrecht Achilles 1459 zum süddeutschen Zentrum des Schwanenritterordens bestimmt.

1825 räumte man die Georgskapelle aus und schaffte die Ordensdenkmäler, den Altar, die Totenschilde und Grabmäler in den 1522 fertiggestellten Neuen Chor der Gumbertus-Kirche, den man seitdem die Schwanenritterkapelle nennt. Der vom Großmeister des Ordens, Albrecht Achilles, um 1500 gestiftete Altar (bes. Mariendarstellungen) gehört zu den berühmtesten in Franken. Die Glasgemälde stammen aus dem 16. Jh., wobei die figürlichen Scheiben auf Entwürfe der Dürerschule zurückgehen. Berühmt ist auch das Tafelbild »Christus in der Kelter< (um 1510), für das Dürer Entwürfe geliefert hat. Neben den Grabsteinen finden sich in der Kapelle hölzerne Totenschilde aus dem 15.-17. Jh. Die unter der Kapelle liegende Fürstengruft, die über Jahrhunderte hinweg ob ihrer Kühle als Fleischbank der Metzger diente, birgt seit 1976 eine größere Anzahl an Zinnsarkophagen der Hohenzollern, nachdem diese aus konservatorischen Gründen von St. Johannis hierher überführt worden sind.

Die gotischen Seitenkapellen hat 1449-79 Nikolaus Eseler gebaut. Der Saalbau, der barocke Hauptraum der Kirche (mit Wiegleb-Orgel von 1738), ist viel jünger. Er wurde 1736-38 von Leopoldo Retty zwischen die Westfassade und den Chor gelegt. Mit der doppelten Breite des einstigen romanischen Mittelschiffs erhält der Saal sein Licht aus je acht Fenstern in drei Geschossen. An der Westseite umlaufen dreigeschossige, sonst eingeschossige Holzemporen den Saal. In der Höhe des nördlichen Querhauses schwingt ein verglaster Fürsten-stand vor, der das Allianzwappen des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich und seiner Gemahlin Friederike Luise trägt. Die Dreiturmfassade der Westfront ist eines der Wahrzeichen Ansbachs. Ihr ältester Teil ist der Südturm, 1493-95 von Heinrich Kugeler aus Nördlin- gen gebaut und mit einem durchbrochenen Pyramidenhelm gekrönt. 1594 errichtete dann Gideon Bacher den Nordturm von Grund auf neu. Der Mittelturm ist ebenfalls ganz sein Werk (1594).

Die Pfarrkirche St. Johannismam Oberen Markt (jetzt Martin- Luther-Platz) nimmt sich dagegen nüchtern aus. Bis auf die Türme hat sie die Schlichtheit spätgotischer Bettelordenskirchen bewahrt. Lange wurde daran gebaut: 1435 wird der Westgiebel errichtet, 1441 der Grundstein des Chors gelegt, doch erst 1508 erhält der Nordturm seine Maßwerkgalerie.

In der näheren Umgebung von St. Johannis und St. Gumbert fallen einige Bauwerke besonders ins Auge: der mit einer vergoldeten Ritterfigur gekrönte Markgraf-Georg-Brunnen (Martin-Luther- Platz) aus dem 16. Jh. (18./19. Jh. erneuert), das viergeschossige Renaissance-Rathaus mit Volutengiebeln (1531; im 17. Jh. umge-baut; Martin-Luther-Platz 1), das stilistisch Gotik und Renaissance verschmelzende Stadthaus (16. Jh.; Johann-Sebastian-Bach-Platz 1), die alte Markgräfliche Kanzlei mit ihrer bemerkenswerten und für Franken seltenen Sgraffito-Verzierung (1594; Pfarrstr. 22) sowie schließlich am früheren Unteren Markt der Markgraf-Karl- Wilhelm-Friedrich-Brunnen, ein Vierröhrenbrunnen von 1746 mit einer Büste des Markgrafen (Johann-Sebastian-Bach-Platz).
Am Ostrand der Stadt hatte Burggraf Friedrich VI. 1397-1409 eine Wasserburg bauen lassen, die während der folgenden Jahrhunderte mehrmals erweitert und verändert wurde. Dem Absolutismus und seiner Verherrlichung des Regenten konnte dieser Bau allerdings nicht mehr genügen, sodass man eine Vierflügelanlage plante und den in Wien tätigen Gabriel de Gabrieli 1694 als Hofarchitekten einstellte. Zunächst beim Umbau der Arkaden und Galerien im Schlosshof beschäftigt, wird ihm 1705 die Direktion für den Umbau dieses neuen Schlosses übertragen. Gabrieli entwarf die monumentale Südostfassade mit 21 Fensterachsen über vier Geschossen. Das niedere Dach wird durch eine Steinbalustrade mit aufgesetzten Figuren und Trophäen abgeschlossen. 1716 verlässt er Ansbach – durch den dauernden Zwist mit der Hofkammer verärgert. Ihm folgt als Baudirektor Johann Wilhelm von Zocha aus Gunzenhausen nach, der bereits 1719 von seinem Bruder Carl Friedrich abgelöst wird. Die Vollendung der Gabrieli-Bauten und die Gestaltung der übrigen Fassaden in etwas trockener Manier kam erst 1725 wieder recht in Gang, als die Regentin Christiane Charlotte auf Vollendung drängte. 1738 konnte der Zentralbau des Schlosses fertiggestellt werden.

1730/31 wurde Leopoldo Retty berufen. Er ließ den Erweiterungsbau an der Nordostecke der Residenz hochziehen, die Brücke über den Schlossgraben – letzte Erinnerung an die Wasserburg – schlagen, Schlossportal und Hauptwache errichten, alles zwischen 1733 und 1735. Dann ging man wieder an die Ausstattung der prächtigen Innenräume, die von 1735 bis ins Jahr 1771 reicht. Mit dem Umbau der Reithalle von 1755 in ein Redouten- und Komödienhaus (1774) darf der Schlossbau als beendet gelten.

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