Im Ansbacher Land 4

Beachtenswert im Inneren sind der Festsaal mit den Stuckmarmorwänden von Johannes Schnell, dem Stuck von Diego Carlone und einem Deckenfresko von Carlo Carlone (alles 1735-37), die Räume des Markgrafen (Carl Wilhelm Friedrich) oder die Räume der Markgräfin (Friederike Luise), etwa das Spiegelkabinett (1740), das Gobelinzimmer (1763) oder der Kachelsaal (1763/64), dessen Wandplättchen in der eigenen Ansbacher Manufaktur erzeugt wurden.

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Das Herrieder Tor ist eines der Wahrzeichen Ansbachs

Für das wachsende staatliche und höfische Personal musste ein neues Stadtviertel vor dem Herrieder Tor ausgewiesen werden. Jenseits des Tors, dem Johann David Steingruber 1750 zwei originelle Flankenhäuser anhängte, ziehen zwei breite Promenaden rechtwinklig zum Schloss und zur Straße nach Triesdorf. Unter Leitung von Steingruber und Johann Caspar Wohlgemut wurden an der Maximilianstraße durchlaufende Häuserreihen vorgeschrieben, die einheitliche Rundbogenportale mit reicher Rokokoverzierung über einheitlichen Freitreppen, dazu rundbogige Fenster und Mansarddächer besitzen. Die Karlshalle am gleichnamigen Platz war 1777/78 als Betsaal der kleinen katholischen Gemeinde in nüchternstem Klassizismus unauffällig in die Anlage gezwängt worden (mit wertvollem Stuck). Die Ludwigskirche, die jetzt dort dominiert, wurde erst 1840 geweiht, ln der Fußgängerzone (Rosenbadstr. 3) steht eine Synagoge, die 1744-46 Leopoldo Retty erbaut hat.

Durch die Karolinenstraße erreichen wir den Hofgarten. In seiner heutigen Erscheinung ist er eine gemeinsame Leistung von Markgräfin Christiane Charlotte und Carl Friedrich von Zocha (ab 1726). Südöstlich der Orangerie (1726-28) steht, etwas verborgen, ein Gedenkstein mit der seltsamen Inschrift: »Hic occultus occulto occisus est« (»Hier wurde ein Unbekannter auf unbekannte Weise ermordet«). Er kennzeichnet die Stelle, an der Kaspar Hauser (18127-33), das merkwürdige Findelkind, tödlich verwundet wurde (s. S. 29 und 225). Nahebei erinnert eine Gedenksäule von 1825 an den Dichter Johann Peter Uz (1720-96). Vor dem Eingang zum Hofgarten, also gegenüber dem Schloss, wird mit einem Denkmal (1858) des Dichters August Graf von Platen (1796-1835) gedacht. Beide Dichter kamen in Ansbach zur Welt.

Südlich von Ansbach liegt an der B 13 Triesdorf mit zwei Schlössern und einem großen englischen Park. Einst führte vom Ansbacher Schloss eine 12 km lange, fast gerade Allee zur Sommerresidenz in Triesdorf. Das Weiße Schloss ist in der Zeit zwischen 1682 und 1776 in seiner heutigen Form entstanden. Gegenüber liegt das Rote Schloss von 1730/32, so genannt nach den roten Sandsteinen der Fenster- und Türumrahmungen und der Eckrisalite. Triesdorf war der Lieblingsaufenthalt Carl Alexanders, des letzten Markgrafen.

Überhaupt lassen sich rund um Triesdorf einige Kleinode besichtigen, etwa die Kleinstädte Merkendorf und Ornbau (Umschlagvorderseite), deren Stadtbefestigungen aus dem 15. Jh. noch weitgehend erhalten sind. Auf dem nördlich gelegenen Friedhof von Ornbau befindet sich nahe der Friedhofskirche St. Jobst (1365-83; im 18. Jh. barockisiert) ein beeindruckendes Grabmal. In der 1817 errichteten Gruft wurde der französische Bühnenautor Georg Franz Marechal Marquis de Bievre bestattet, der 1789 im Triesdorfer Schloss verstorben war (geb. 1747), wo er Gast des Markgrafen Carl Alexander gewesen. Unweit der Gruft erinnert ein Grabstein an den Dichter.

Das romantische Wasserschloss Sommersdorf (um 1400; westlich von Triesdorf) gilt als der Geburtsort des Humanisten und Schriftstellers Albrecht von Eyb (1420-75). Beachtung verdient auch die alte Wallfahrtskirche in Königshofen (südlich von Sommersdorf), die in ihren Ursprüngen auf die zweite Hälfte des 14. Jh. zurückreicht.

Von Triesdorf aus lohnt sich ebenfalls ein Abstecher nach Wolframs-Eschenbach, das schon im 11. Jh. erstmals urkundlich erwähnt wird, aber erst seit 1917 zusätzlich den Namen seines größten Sohnes als Unterscheidung von anderen Eschenbachs trägt. Ihm hat man eine Brunnenfigur (1861/62) gewidmet, die sich neugotisch fremd im Ortsbild ausnimmt. Der um 1170/80 geborene Schöpfer des >Parzi- val<, Wolfram von Eschenbach, gehörte einem Geschlecht an, das Vasall der Grafen von Wertheim war. Sein Nachfolger als Ortsherr war der Deutsche Ritterorden, der im 14. Jh. die Siedlung trapezförmig ummauern ließ. Der ganze Bering mit seinen beiden Toren ist erhalten geblieben. Die Hauptstraße von Tor zu Tor zeigt sich mittelalterlich, mit Häusern aus dem 14.-17. Jh.

Das ehemalige Dcutschordensschloss, das 1623 fertiggestellt worden ist, dient jetzt als Rathaus (Wolfram-von-Eschenbach-Platz 1). Im Alten Rathaus, einem Satteldachbau des Jahres 1471, kann das originelle Wolfram-Museum besichtigt werden (Wolfram-von- Eschenbach-Platz 9). Etwas abseits vom Marktplatz und ein wenig erhöht steht die Marienkirche, deren Turmuntergeschoss noch aus romanischer Zeit stammt. In der Gotik wurde dann die stattliche Hallenkirche gebaut, die als die älteste in Franken gilt.

Über Windsbach und Abenberg gelangt man nach Spalt. Neben der evangelischen Stadtpfarrkirche (1728-30) im Zentrum Windsbachs erregt besonders die Gottesruhkapelle (14./15. Jh.) unsere Aufmerksamkeit. Sie liegt etwas außerhalb der Stadt (an der Landstraße nach Wolframs-Eschenbach) und ist bekannt für ihre Wandmalereien aus der Zeit um 1440. Die Burg oberhalb Abenbergs hat ihren Ursprung im 13. Jh. und wurde zwischen dem 15. und 19. Jh. mehrfach verändert; heute beherbergt sie ein Museum. Das Kloster Marienburg ist ein >Neubau< der Jahre 1677-85. In der Klosterkirche erinnert ein Grabstein aus dem 13. Jh. an die selige Stilla, die dem Geschlecht der Grafen von Abenberg angehörte und Mitte des 12. Jh. starb.

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