Im Ansbacher Land 5

An der Fränkischen Rezat liegt Spalt, wohl seit dem 8. Jh. Mittelpunkt des bekanntesten fränkischen Hopfenanbaugebiets. Das Stadtbild wird daher von stattlichen Hopfenhäusern beherrscht, auf deren steinernen Untergeschossen hohe Fachwerkgiebel aufsitzen, in deren fünf oder gar sechs Böden, die durch horizontale Gauben belüftet werden, die wertvolle Dolde trocknen kann. Ein großer Bau ist das ehemalige Kornhaus, auch >Hopfensignierhalle<, das im 15. Jh. erbaut wurde (Gabrieliplatz 1), oder das um 1746 errichtete Mühl-reisighaus mit seinem fünfgeschossigen Giebel, das links an der Straße nach Wassermungenau liegt und ein beliebtes Fotomotiv ist.

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Eine Ecke des Schlosses Rügland

Spalt ist aus dem karolingischen Kloster St. Salvator hervorgegangen, das vom Stift St. Emmeram in Regensburg begründet wurde, kam 1294 zum Bistum Eichstätt und wurde nach 1356 Stadt. Vorwiegend im 14. Jh. entstand auch die Stadtbefestigung. Die ehemalige Stiftskirche St. Emmeram, die heutige Stadtpfarrkirche, stammt noch aus dem 12. Jh., wurde aber im 16. und 17. Jh. umgestaltet. Die nahe Kirche St. Nikolaus in der Stiftsgasse geht auf das 14. Jh. zurück und wurde 1767-70 barockisiert. Das barocke Rathaus (früherer Dekanatshof; Herrengasse 10) ist ein Bau Gabriel de Gabrielis (1751-56).

Auf dem Rückweg nach Ansbach empfiehlt sich der Umweg über Lichtenau, das an die Nürnberger Befestigung erinnert. Tatsächlich gehörte der Ort vor Ansbachs Toren seit 1401 zur Reichsstadt Nürnberg (bis 1806) und wurde als Außenposten besonders schwer befestigt. Nur Markgraf Albrecht Alcibiades konnte die Festung 1552 zerstören. Nach Plänen von Antonio Fazuni wurde (ab 1558) eine nahezu fünfeckige Zitadelle mit vorspringenden Batterien an den Ecken gebaut und schließlich 1630 vollendet. Auf der Südseite des Innenhofs steht ein Schlossbau mit zwei hohen Rundtürmen.

Erneut von der Residenzstadt Ansbach ausgehend, gelangt man (zunächst in südwestlicher Richtung) nach Herrieden, das durch seine fast geschlossen erhaltene Stadtbefestigung (vor allem 1340—44) mit dem Storchentor und der Altmühlbrücke von 1771 sowie durch seine Kirchen besticht: die katholische Stadtpfarrkirche St. Veit (frühere Stiftskirche; 15./16. Jh., mit späteren Veränderungen) im Zentrum der Stadt, die ebenfalls katholische Nebenkirche Unsere Liebe Frau (15. Jh., mit späteren Umgestaltungen; Herrnhof 1), in welcher eine wertvolle geschnitzte und bemalte Holzdecke des Jahres 1705 zu entdecken ist, und die Kirche St. Martin (17./18. Jh.) am Martinsberg außerhalb der Altstadt. Das Schloss ist nur noch in Resten vorhanden (Vogteiplatz). – An der Altmühl entlang geht es nach Leutershausen, von dessen Stadtbefestigung noch das Obere und das Untere Tor zu sehen sind. Die Pfarrkirche St. Peter entstand ab 1432/33, das markgräfliche Schloss im Jahr 1624 (Plan 5).

Über dem Altmühltal erhebt sich auf einem Bergsporn die Burg Colmberg (14.-16. Jh.). Beim Aufstieg zur Burg öffnet sich ein weiter Blick nach Westen, den auch die Hohenzollern genossen haben, denn im Vertrag vom 17. 7. 1318 verkaufte Graf Friedrich von Truhendingen für 6200 Pfund Heller die Burg an seinen Onkel Friedrich IV. von Hohenzollern, Burggraf von Nürnberg. Hier, in der hohen Kemenate, lebte zurückgezogen Friedrich VI. mit seiner Gemahlin Elisabeth, bis ihn der Hilferuf Kaiser Sigismunds aus Ungarn erreichte. Friedrich half ihm dort, sich gegen eine starke Opposition durchzusetzen und soll dem Kaiser sogar das Leben gerettet haben. Der Burggraf wurde 1411 zum obersten Hauptmann der Mark Brandenburg bestellt und 1415 in Konstanz von Sigismund mit allen Rechten in Brandenburg belehnt. 1417 erhielten die Hohenzollern die Kurwürde. Außer dem Halsgraben verfügt die Burganlage über einen mehrfachen Bering. Ihr Zentrum bilden der im Kern romanische Palas und der mittelalterliche Bergfried. 1870 erwarb der Japanforscher Philipp Franz von Siebold die Burg.

Nur wenige Kilometer vor Colmberg befindet sich der kleine Ort Häslabronn, der als ein besonders gut erhaltenes Ensemble für eine bäuerliche Ansiedlung gilt.

Nördlich von Ansbach, an der Straße nach Markt Erlbach, liegt Rügland. Das ehemalige Wasserschloss der Freiherren von Crails-heim ist ein nach Osten, zum Park hin, offenes Hufeisen, dem im Norden ein Wirtschaftshof vorgelagert ist. Der nördliche Flügel dieses Landschlosses ist ein Fachwerkbau von 1611, dem das >neue Schloss< von 1713 als West- und Südflügel angehängt wurde. Die ländlich-feste Bauweise des Fachwerks stört nicht die vornehme, barocke Gliederung des Hauptbaues. Der Schlosshof wird durch eine Sandsteinbalustrade – eine italienische Arbeit um 1713, mit Rankenwerk und Tieren – von der Parkanlage getrennt. In der Pfarrkirche St. Margaretha (1754) sind Grabplatten der Familien von Crailsheim und von Vestenberg angebracht. Ein richtiges Mausoleum (1909) der Crailsheim befindet sich an der Straße nach Adelmannsdorf.

Über dem nahen Virnsberg erhebt sich eine trutzige Deutschordensburg aus dem 13.-16. Jh., die um 1700 als Schloss ausgestaltet wurde. Noch weiter in Richtung Bad Windsheim können in Obern- zenn zwei beachtliche barocke, nebeneinander gesetzte Schlösser, das Blaue (1696-1757) und das Rote Schloss (1745) der Familie von Seckendorff betrachtet werden (Gusseisenbrücke von 1747 im Park).

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